24.07.2009 11:00
Toggenburg/Unterwasser, 24. Juli 2009. Mut und Tatkraft bereiteten dem Tourismus im Toggenburg den steilen Aufstieg. Mit der Drahtseilbahn Unterwasser-Iltios (DUI) hat sich die Region von einem Molkenkurort zu einem Eldorado für Sportbegeisterte und Erholungssuchende entwickelt. Das Toggenburg ist im Sommer wie im Winter zu
einem gefragten Ausflugsziel geworden.
Die Idee einer Bahn von Unterwasser nach Iltios entsprang den Köpfen des Hoteliers Walter Looser und des Lehrers Jakob Geisser. Sie wollten etwas gegen die seit Jahren rückläufigen Logiernächte im angestammten Molkenkurort tun. Sie hatten erkannt, dass die Zukunft im gerade aufkommenden Skisport lag. Um diesen zu fördern, bedurfte es mechanischer Auf-stiegshilfen. Die Investition von gegen einer Million Franken in diese erste Sportbahn in der Ostschweiz war auch deshalb hoch willkommen, weil im Toggenburg mit der angebrochenen Industrialisierung gerade der Haupterwerbszweig, die Handstickerei, zusammengebrochen war. An der schlichten Eröffnungsfeier, die nach weniger als einem Jahr Bauzeit, am
26. Juli 1934 auf Iltios stattfand, lobten die Vertreter von Behörden und Regierung denn die-sen Pioniergeist auch in den höchsten Tönen. Den Mutigen war Erfolg beschieden. Bereits im ersten halben Betriebsjahr konnten schwarze Zahlen geschrieben werden. Im Jahr darauf konnte bereits ein Betriebsüberschuss in Höhe von 50 000 Franken verzeichnet werden.
Die Skisportbegeisterten kamen in Heerscharen aus nah und fern und das Toggenburg machte sich innert kürzester Zeit einen klingenden Namen. Mit den ersten Sporttouristen kam auch die Prominenz aus der europäischen Oberschicht und Aristokratie. So rauschte schon im ersten Betriebsjahr der Standseilbahn die niederländische Königin Wilhelmina mit ihrem Gefolge an und übte sich auf der Holderen im Skifahren. Unterwasser und Wildhaus wurden im selben Zug genannt mit andern grossen Winterstationen wie Zermatt, St. Moritz oder Grindelwald. Seither hat sich das Angebot an Bahnen und Liften stark entwickelt. Das Toggenburg ist zu einem der bevorzugten Ausflugsziele der Schweiz und zum Nah-
erholungsgebiet der Grossagglomeration Zürich im Winter wie im Sommer geworden.
Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde bei den Bahnen Jahr für Jahr in Erneuerungen und Erwei-terungen investiert. Nach der Eröffnung der Iltiosbahn 1934 zeigte sich schnell, dass der prächtige Stöfelihang oberhalb Iltios ebenfalls für den Skisport erschlossen werden sollte.
Nachdem im benachbarten Wildhaus bereits seit 1937 eine sogenannte Schlittenseilbahn mit Erfolg betrieben wurde, richtete man 1938 am Stöfeli ebenfalls einen solchen Funi ein. „Das Vehikel hat aber gar nicht funktioniert“, erzählt Bruno Oehler, der 37 Jahre lang als
Maschinist bei der Bahn tätig war und dessen Vater Jakob einer der Schlittenführer war. „Auf dem Surenboden mussten sie das Gefährt oft stossen, es bohrte sich in den Schnee oder drohte umzukippen“. Schon nach einer einzigen Saison war Schluss mit dem Spass,
während der Funi in Wildhaus noch weitere zehn Jahre im Einsatz stand. Es folgte die
grosse Zeit des ersten Stöfeli-Gurtenlifts, der über zwanzig Jahre seinen treuen Dienst ver-sorgte. Bei der Talstation schnallte man sich einen Ledergurt mit Hanfseil um und klemmte dieses am Förderseil ein. Ein ziemliches Prozedere, das mit dem Ersatz durch den bis heute betriebenen Bügellift ein Ende fand.
Mit der Inbetriebnahme des ersten Ski- und Sessellifts von Alt St. Johann zur Alp Sellamatt 1946 wurde dann auch das benachbarte Skigebiet für die Wanderer und Wintersportler er-schlossen.
1960 kam der Skilift Ruestel hinzu, welcher nach der Fusion der beiden bestehenden
Bahnen, 1999 der neuen Sesselbahn Sellamatt-Ruestel weichen musste.
1975 wurde der Verbindungslift Sellamatt-Zinggen in Betrieb genommen. Der Ski- und
Sessellift Alt St. Johann - Alp Sellamatt wurde am 6. Dezember 2003 durch eine moderne Kombibahn (Sesselbahn und Gondeln) ersetzt.
Ein weiterer grosser Meilenstein war 1972 die Eröffnung der (2005 erneuerten) Luftseilbahn Iltios-Chäserrugg (LIC). Von der Bergstation auf 2262 Meter über Meer eröffnet sich den
Besuchern ein einzigartiges Bergpanorama, das von den Berner Alpen, dem Tödi, über den Piz Bernina bis zu den österreichischen Bergriesen reicht.
Seit der Eröffnung des Skilifts Ruggschöpf-Chäserrugg im Jahr 1981 ist es nun auch
möglich, auf dem Rücken des Chäserruggs, dem Top-of-Toggenburg, dem Skivergnügen zu frönen und die phantastische Rundsicht zu geniessen. Um optimale Pistenverhältnisse bis ins Tal hinunter zu garantieren, werden Beschneiungsanlagen eingesetzt.
18 Bahnen und Skilifte erschliessen heute das gesamte
Obertoggenburg. Die Betreiberin der Bahnen, die Toggenburg Bergbahnen AG, ist am
15. November 2008 aus der Fusion der Bergbahnen Unterwasser-Iltios Chäserrugg (BUIC) und der Sportanlagen Alt St. Johann Sellamatt AG (SAS) entstanden. Durch den
Zusammenschluss gehört die Toggenburg Bergbahnen AG heute zu den acht Prozent der grössten Bergbahn-Unternehmungen in der Schweiz.
Wichtiges Rückgrat der Toggenburger Bergbahnen ist und bleibt aber die Iltiosbahn. Seit
75 Jahren befördert sie zu jeder Jahreszeit Wanderlustige und Schneebegeisterte vom Tal auf das einzigartige Hochplateau hinauf. Heute ist bereits die dritte Generation von Wagen
unterwegs.
Die ersten Bahnwagen der Standseilbahn, die noch von einem Occasionsdrahtseil der Braunwaldbahn gezogen wurden, fassten 44 Personen. Die Förderleistung lag damals bei 330 Fahrgästen pro Stunde.
1963 wurden sie dann durch zwei grössere Kabinen der Davos-Parsenn-Bahn ersetzt. Mit einem verstärkten Antrieb konnte die Kapazität damit pro Stunde auf 620 Personen
gesteigert werden.
1975 segneten dann auch diese beiden Wagen das Zeitliche und wurden durch zwei
moderne Standseilbahnwagen mit je 80 Personen Fassungsvermögen ersetzt. Damit konnte die stündliche Kapazität nochmals auf 750 Fahrgäste erhöht werden. Fast hunderttausend
Fahrten wurden im letzten Sommer bei der „kleinen Roten“ des Toggenburgs gezählt. Im Winter waren es sogar weit über eine Viertelmillion Gästefahrten von Unterwasser nach
Iltios.
Auf und Ab gab es auch im Betrieb. Der langjährige Stellvertreter des Betriebsleiters,
Bruno Oehler, erinnert sich, als 1990 der Sturm Vivian die Iltiosbahn lahmlegte. „Etwa dreis-sig Tannen waren aufs Trasse gestürzt. Wir mussten zwei Tage lang holzen, bis wieder ge-fahren werden konnte. Alle Mitarbeiter waren auf Achse.“
Aber auch nach grossen Schneefällen gab es Schwerarbeit zu leisten. Das letzte Mal im strengen letzten Winter. Das Gebläse vorne an den Wagen reichte nicht mehr aus, die
Arbeiter mussten zusätzlich die Schaufeln in die Hand nehmen.
Dramatisch war auch der Berchtoldstag vor dreissig Jahren. Damals fiel ausgerechnet an diesem Grosskampftag bei der Iltiosbahn ein Lager aus. Für das Personal hiess dies, die Nacht durchzuarbeiten. Da gleichzeitig auch noch das Getriebe beim Stöfelilift schlapp
machte, mussten sich die in Scharen angereisten Skifahrer für einmal mit dem Übungslift zufrieden geben. „Zum Glück“, sagt Bruno Oehler, „kommen solche Pannen nur alle paar Jahrzehnte einmal vor.“
Mit seinen Anlagen und Freizeiteinrichtungen bietet das Obere Toggenburg seinen Gästen zu allen Jahreszeiten ganz besondere Erlebnisse und Erfahrungen: ein wunderschön
angelegtes Netz von Wanderwegen, auf denen aus nächster Nähe Wildtiere beobachtet werden können und idyllische Spazierwege, die auch mit Kleinkindern begehbar sind, be-geistern im Sommer die Besucher. Das Toggenburg bietet zudem ein Eldorado an Themen-wegen - ein Eldorado auch für Nordic Walker, Kletterer, Gleitschirmflieger.
Die Themenwege wie der Klangweg, Sagenweg, der geologische Rundweg, der ausgeschil-derte Bergblumenlehrpfad oder der Rosenboden-Panoramaweg auf dem Chäserrugg sind einzigartige Höhepunkte. Auch Biker, Nordic Walker, Kletterer oder Gleitschirmflieger finden hier ihre idealen Ausgangspunkte, um ihrem Hobby zu frönen.
Im Winter gesellen sich zu den sechzig Kilometern Langlaufloipen, die das Herz
inmitten unberührter Natur höher schlagen lassen, Winterwanderwege, Schneeschuh-Trails, Schlittelwege und Schneeparks für Kinder.
Auch an gemütlichen Restaurants, wo Toggenburger Spezialitäten angeboten werden, an Cafés und trendigen Schneebars fehlt es in diesem Freizeit- und Erholungsgebiet nicht. Und für einen längeren Aufenthalt stehen den Gästen mehrere gepflegte Vier- und Dreistern-Hotels zur Auswahl.
Weitere Informationen rund um die Bergbahnen und Aktivitäten am Berg
sowie Medienbilder können der Webseite www.toggenburgbergbahnen.ch
entnommen werden.
Kontakt für Medienanfragen: Rosalia Keller, Toggenburg Bergbahnen AG,
Tel. +41 (0)71 999 12 07, rosalia.keller@toggenburgbergbahnen.ch